Forum zivilgesellschaftliche Initiativen

Unter dem Motto Allianzen schmieden finden zwischen Dezember 2017 und April 2018 vier Veranstaltungen zum Forum zivilgesellschaftliche Initiativen Stuttgart statt: In Workshops, Plenen und begleitet von Impulsvorträgen, sollen entlang spezifischer gesellschaftspolitischer Themen, wie  z.B. Klimawandel, Migration, Technologieentwicklungen, neue Familienmodelle u.v.m., Fragen der Mitgestaltung von und Verantwortung für die (Stadt-)Gesellschaft erörtert und diskutiert werden.

Nach dem ersten informellen Forum vom 2. Dezember 2017, bei dem sich 21 lokale Initiativen vorstellten, beginnen die im Januar und Februar 2018 stattfindenden Foren jeweils mit einem Impulsvortrag, dessen Themen auch am Folgetag in begleitenden Workshops vertieft werden.

Stuttgart hat historisch bereits seit Beginn des letzten Jahrhunderts eine breitgefächerte, engagierte Zivilgesellschaft. Um das kreative und kritische Potential heutiger Akteurinnen und Akteure produktiv zu verschränken und öffentlich noch deutlicher sichtbar zu machen, soll entlang spezifischer gesellschaftspolitischer Themen gearbeitet und diskutiert werden:
Die dramatischen Umwälzungen, die wir nun schon seit Jahrzehnten auf globaler Ebene erleben, sind endgültig in unserem Alltag angekommen: Der Klimawandel ist spürbar. Luftverschmutzung ist kein alleiniges Problem von Ländern des Südens, sondern längst eine Tatsache am Neckartor wie auch bundesweit. Migration als globale Suche nach einem besseren Leben klopft so vehement an die Pforten Europas, dass sie niemand mehr ignorieren kann. Technologieentwicklungen gehören zum Kerngeschäft der deutschen Wirtschaft, gehen aber mit Veränderungen des Alltags und der Arbeit einher. So sind etwa die Dimensionen der Digitalisierung für Arbeit und Leben noch überhaupt nicht absehbar. Dazu kommen neue Familienmodelle, die gemeinsam mit den sich immer weiterentwickelnden Reproduktionstechniken zu ganz neuen Formen des Zusammenlebens führen können. Frust über ein zentriertes, konsens-basiertes, ent-parlamentarisiertes und entpolitisiertes Politiksystem entlädt sich wahlweise in Abstinenz oder in der Suche nach vermeintlich traditionellen Werten und Identitäten, von denen man sich Halt verspricht.

Freitag, 19. und Samstag, 20. Januar 2018
Im 2. Forum fragen wir nach anderen Ökonomien:
Wir wollen wir wirtschaften? Welchen Zielen soll die Wirtschaft dienen? Was bedeutet „Wohlstand“ für uns? Was bedeutet „Arbeit“ für uns?

Freitag, 19. Januar, 19:30 Uhr: Impulsvortrag von Christoph Deutschmann (Prof. em., Uni Tübingen):
Wie wollen wir wirtschaften? Einführende Überlegungen
Über die Zukunft unseres Wirtschaftssystems wird heute mehr denn je gestritten. Aus deutscher Sicht scheint es dafür zwar auf den ersten Blick wenig Anlass zu geben: Die Wirtschaft boomt, die Arbeitslosigkeit ist niedrig und die meisten Menschen sind mit ihrer wirtschaftlichen Lage zufrieden. Aber eine solche Selbstzufriedenheit ist trügerisch, denn Probleme gibt es zuhauf:
Rund 15 Prozent der Deutschen bewegen sich mit prekären Jobs und Sozialleistungen an der Armutsgrenze; Das gilt noch viel mehr für die südeuropäischen Länder, dort ist vor allem die Jugendarbeitslosigkeit erschreckend hoch.
Die Ungleichheit der Einkommen und der Vermögen hat weltweit stark zugenommen, international tätige Finanzinvestoren und Kapitalgesellschaften zahlen kaum Steuern, ihr Kapital fließt kaum mehr in produktive Investitionen, sondern größtenteils in Immobilien und reine Finanzanlagen.
Dass die gegenwärtige Lebens- und Wirtschaftsweise der Industrienationen mit nachhaltigem Umwelt- und Klimaschutzes nicht vereinbar sind, ist bekannt, weitgehend offen ist hingegen, wie die notwendigen Umstrukturierungen gestaltet und durchgesetzt werden können.

Ziel der Forumsdiskussion sollte es sein, die Analyse dieser Probleme und ihrer wechselseitigen Zusammenhänge zu vertiefen und politische Konzepte zu ihrer Lösung zu prüfen:
Sind neue Konzepte erforderlich, z.B. ein garantiertes Grundeinkommen um die Lage der Arbeitslosen und prekär Beschäftigten zu ändern? Was kann gegen die extreme Konzentration der Vermögen politisch getan werden? Sind international koordinierte Eingriffe in private Eigentumsrechte notwendig, um die krisenträchtige Verselbständigung der Finanzmärkte zu stoppen? Brauchen wir überhaupt „Wachstum“ und wie kommt der kapitalistische Zwang zum Wachstum zustande? Liegt es nur an unseren „falschen“ Konsumgewohnheiten oder auch an institutionellen Strukturen? Setzt eine erfolgreiche klimapolitische Umsteuerung einen Verzicht auf Wachstum voraus?

Samstag, 20. Januar, 14 – 18 Uhr: Workshops und Plenen


Freitag, 23. – Samstag, 24. Februar 2018
Im 3. Forum fragen wir nach Lebensformen:
Wie wollen wir zusammenleben? Im Alltag, mit Menschen, für die wir Verantwortung übernehmen, im großen gesellschaftlichen Zusammenhang? Wie wollen wir unsere Gesellschaft organisieren? Welche politischen Formen wollen wir?

Freitag, 23. Februar, 19:30 Uhr: Impulsvortrag von Klaus Dörre (Prof. für Soziologie, Uni Jena)

Samstag, 24. Februar, 14:00 – 18:00 Uhr: Workshops

 

Im April findet im Rahmen der zweiten Konferenz New Narratives: Ökonomien anders denken ein weiteres Forum statt, in dem entlang der zentralen Fragen, Kritikpunkte und Vorschläge weitergedacht und gearbeitet wird.
Die von Dezember – Februar stattfindenden Foren werden von der Stuttgarter Künstlerin Sylvia Winkler protokolliert und dokumentiert: Aus ihren Recherchen entwickelt sie ein Plakat als visuelle Kartografie, die die thematische wie ästhetische Pluriversalität der Initiativen analysiert und widerspiegelt. Das Plakat wird bei New Narratives 2 öffentlich vor- und ausgestellt.

 

Das erste Forum fand am 2.12.2017 von 14 – 19.30 Uhr mit folgenden Initiativen (u.a.) statt:
Welthaus
VHS unterm freien Himmel (Demoteam S 21)
Teilbar e.V.
Stuttgart Open Fair
Stäffele Gallery
Stadtlücken
Nosali + Kindesperspektiven und menschenwürdige Kommunikation
Soziales Netzwerk: SFfSG + Solidaritäts Forum für Soziale Gerechtigkeit + Zukunftswerkstatt Solidarität + AKST Stuttgart + Aktions Kreis Soziale Teilhabe in Stuttgart
Kulturhaus – Conditions of Work
Galateas + Sisters für den Ausstieg aus der Prostitution e.V.
Gemeinwohl Ökonomie
Gläserne Urne / Vaihinger Manifest
Die Gesellschaft Kultur des Friedens
Freies Lastenrad Stuttgart
Denkfabrik – Forum für Menschen am Rande
Cradle2Cradle
Clean Cloth Campagne
Casa Schützenplatz
Amnesty International
Aktionsbündnis Recht auf Wohnen

 

im Rahmen der Ausstellung Was sind die Wolken? (18. Nov. 2017 – 4. März 2018) und von New Narratives 2: Ökonomien anders denken (9. – 15. April 2018)

Eine Initiative von:
Die AnStifter, Hannah-Arendt-Institut Stuttgart, in Zusammenarbeit mit dem Partnernetzwerk Kunstgebäude Stuttgart: Akademie Schloss Solitude, Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), Schauspiel Stuttgart, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Theater Rampe, Württembergischer Kunstverein
In Kooperation mit: Fritz-Erler-Forum Stuttgart