Forum zivilgesellschaftliche Initiativen

PROGRAMM 3. FORUM:
Freitag, 23. – Samstag, 24. Februar 2018
Im 3. Forum fragen wir nach Lebensformen: Wie wollen wir zusammenleben im Alltag, mit Menschen, für die wir Verantwortung übernehmen, im großen gesellschaftlichen Zusammenhang? Wie wollen wir unsere Gesellschaft organisieren? Welche politischen Formen wollen wir?

Freitag, 23. Februar, 19:30 Uhr:
„Sozialer Zusammenhalt in digitaler Lebenswelt“
Impulsvortrag von Welf Schröter, Leiter des Forum Soziale Technikgestaltung FST beim DGB Baden-Württemberg.

Neue Technologien verändern unseren Alltag. Die digitale Transformation ergreift nicht nur die Arbeits- und Berufswelt, sondern auch das private und öffentliche Leben. Ständig sind wir erreichbar. Der Arbeitsplatz als Ort der sozialen Begegnung wird durch das Homeoffice ersetzt. Der Druck nimmt zu, Arbeitsprozesse werden durch Maschinen gesteuert. Während ein Roboter unsere Wohnung säubert, wird jeder unserer Schritte gezählt, es werden der Kalorienverbrauch und die Herzfrequenz erhoben. Das Internet kennt unsere Filmvorlieben, unseren Kleidungsstil und unsere Urlaubsziele. Unternehmen, Gewerkschaften und Betriebsräte gestalten den Wandel innerhalb des Betriebes. Wer aber gestaltet den Wandel in der Gesellschaft? Die digitale Transformation muss sozialpolitisch und zivilgesellschaftlich angepasst und demokratisiert werden. Das betrifft Zivilgesellschaft, Kommunen, Bildungsträger, Schulen, Berufsschulen, Kirchen, Diakonische Einrichtungen, Freelancer und alle Bürgerinnen und Bürger. Die Schritte zur Förderung des sozialen Zusammenhalts in einer digitalen Lebenswelt werden wir nur gemeinsam weiterentwickeln.

 

Samstag, 24. Februar, 14:00 – 16:30 Workshops / 17:00 18:00 Uhr Plenum
An diesem Tag finden 3 Workshops parallel statt:
Der Workshop „Die Freiheit frei zu sein. Bedingungen und Möglichkeiten für emanzipatorisches Handeln heute?“ von Annette Ohme-Reinicke (Die AnStifter), der Workshop „Demokratie – Wie ist sie? Wie wollen wir sie? von Marianne Siebeck (Die demokratische Stimme der Jugend) mit dem Vaihinger Manifest sowie der Workshop „Die Bedeutung des öffentlichen Raumes für unser Zusammenleben. – Ein Workshop Experiment“ von Die Stadtlücken mit der Stäffele Gallery.

Workshop 1 / Ort: Workshopräume
Annette Ohme-Reinicke
„Die Freiheit, frei zu sein – Bedingungen und Möglichkeiten für emanzipatorisches Handeln heute?“
Für selbstbestimmte Lebensformen! – So lautete eine zentrale politische Forderung der sozialen Bewegungen der 1960er und 1970er Jahre. Selbstbestimmung ging in den folgenden Jahrzehnten jedoch, in verzerrter Gestalt, etwa in den Selbstvermarktungen als „unternehmerisches Selbst“ oder den Ich-AGs auf. Zu den Alltagserfahrungen gehören zunehmende Privatisierungen öffentlicher Güter einerseits und Vermarktungen privater Bereiche andererseits. Vereinzelung und die Erzeugung von Furcht sind auch Instrumente, die das neoliberale Modell systematisch stabilisieren sollen. Sie wirken in die Zivilgesellschaft hinein: Zunehmend dominiert die Sicherung individueller Reproduktion gegenüber der Vorstellung gerechter Lebensformen für alle Menschen. In den sozialen Bewegungen der letzten zehn Jahre tauchen immer wieder Ideen Hannah Arendts auf. Hier steht das Zusammen-Handeln von Menschen, die sich gegenseitig als Verschiedene anerkennen, im Mittelpunkt emanzipatorischer Politik. Ausgehend von Arendts gerade neu übersetztem Essay „Die Freiheit, frei zu sein“ fragt der Workshop, wie und ob ihre Ideen aktuelle Lebens- und Handlungsformen inspirieren können. Nach einer knappen Vorstellung des Textes bietet der Workshop viel Raum für Diskussion.

Workshop 2 / Ort: Workshopräume
Marianne Siebeck (Die demokratische Stimme der Jugend) + Vaihinger Manifest:
„Demokratie – Wie ist sie? Wie wollen wir sie?“
„Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht“- das gilt auch für uns, die wir uns alle als Teil einer demokratischen Bewegung verstehen.  Wir fragen zuerst wo und wie wir Fesseln in der Demokratie, die wir haben, spüren. Danach wollen wir überlegen: Wie können wir sie zerreißen? Wo können wir anpacken? Ein Beispiel von vielen: Sind Losverfahren besser als Wahlen? Eine konkrete Vision: ein 10-Punkte-Soforthilfeprogramm für die Demokratie.

Workshop 3 / Ort: Arkaden am Kunstgebäude
Die Stadtlücken + Stäffele Gallery
„Die Bedeutung des öffentlichen Raumes für unser Zusammenleben. – Ein Workshop Experiment“
Ohne öffentlichen Raum kann es keine gesellschaftliche Verständigung geben. Die Gestaltung und Nutzung des öffentlichen Raumes ist ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft, denn auf den Straßen und Plätzen, zwischen den Häusern finden die ungeplante Begegnung zwischen den Bewohnern einer Stadt einen Ort. Im öffentlichen Raum werden die unterschiedlichen Interessen sozialer Schichten, zwischen den Generationen und den verschiedenen Ethnien ausgehandelt. Öffentlicher Raum wird von Politik und Behörden jedoch oft stiefmütterlich behandelt, und immer häufiger verkauft, privatisiert, zu Orten des Konsums gemacht und in Zeiten der Digitalisierung scheinbar schlicht vergessen.
Wie können wir diese Orte der Kommunikation, der Diskussion, des Verhandelns unseres Zusammenlebens erhalten und erweitern? Gibt es den virtuellen öffentlichen Raum? Wie sollten diese Orte gestaltet und organisiert werden, um deren Zugänglichkeit und Vielschichtigkeit zu bewahren? Braucht es eine digital-analoge Verknüpfung? Diese Fragen wollen wir im Workshop gemeinsam diskutieren und mit möglichen Antworten experimentieren.

 


 

Unter dem Motto Allianzen schmieden: finden zwischen Dezember 2017 und April 2018 vier Foren statt: In Workshops, Plenen und begleitet von Impulsvorträgen sollen entlang spezifischer gesellschaftspolitischer Themen, wie z .B. Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit, alternative Lebens- und Wirtschaftsformen oder Fragen der Mitgestaltung von und Verantwortung für die (Stadt-)Gesellschaft erörtert und diskutiert werden.
Nach dem ersten informellen Forum, bei dem sich 22 lokale Initiativen vorstellten und dem 2. Forumswochende zum Thema „Wie wollen wir wirtschaften?“ im Januar fragen wir im 3. Forum am 23. und 24. Februar nach Lebensformen: Wie wollen wir zusammenleben im Alltag, mit Menschen, für die wir Verantwortung übernehmen, im großen gesellschaftlichen Zusammenhang? Wie wollen wir unsere Gesellschaft organisieren? Welche politischen Formen wollen wir?

Im April findet im Rahmen der zweiten Konferenz New Narratives: Ökonomien anders denken ein weiteres Forum statt, in dem entlang der zentralen Fragen, Kritikpunkte und Vorschläge weitergedacht und gearbeitet wird.
Die von Dezember – Februar stattfindenden Foren werden von der Stuttgarter Künstlerin Sylvia Winkler protokolliert und dokumentiert: Aus ihren Recherchen entwickelt sie ein Plakat als visuelle Kartografie, die die thematische wie ästhetische Pluriversalität der Initiativen analysiert und widerspiegelt. Das Plakat wird bei New Narratives 2 öffentlich vor- und ausgestellt.

Stuttgart hat historisch bereits seit Beginn des letzten Jahrhunderts eine breitgefächerte, engagierte Zivilgesellschaft. Um das kreative und kritische Potential heutiger Akteurinnen und Akteure produktiv zu verschränken und öffentlich noch deutlicher sichtbar zu machen, soll entlang spezifischer gesellschaftspolitischer Themen gearbeitet und diskutiert werden:
Die dramatischen Umwälzungen, die wir nun schon seit Jahrzehnten auf globaler Ebene erleben, sind endgültig in unserem Alltag angekommen: Der Klimawandel ist spürbar. Luftverschmutzung ist kein alleiniges Problem von Ländern des Südens, sondern längst eine Tatsache am Neckartor wie auch bundesweit. Migration als globale Suche nach einem besseren Leben klopft so vehement an die Pforten Europas, dass sie niemand mehr ignorieren kann. Technologieentwicklungen gehören zum Kerngeschäft der deutschen Wirtschaft, gehen aber mit Veränderungen des Alltags und der Arbeit einher. So sind etwa die Dimensionen der Digitalisierung für Arbeit und Leben noch überhaupt nicht absehbar. Dazu kommen neue Familienmodelle, die gemeinsam mit den sich immer weiterentwickelnden Reproduktionstechniken zu ganz neuen Formen des Zusammenlebens führen können. Frust über ein zentriertes, konsens-basiertes, ent-parlamentarisiertes und entpolitisiertes Politiksystem entlädt sich wahlweise in Abstinenz oder in der Suche nach vermeintlich traditionellen Werten und Identitäten, von denen man sich Halt verspricht.

 


 

Das erste Forum fand am 2.12.2017 von 14 – 19.30 Uhr mit folgenden Initiativen (u.a.) statt:
Welthaus
VHS unterm freien Himmel (Demoteam S 21)
Teilbar e.V.
Stuttgart Open Fair
Stäffele Gallery
Stadtlücken
Nosali + Kindesperspektiven und menschenwürdige Kommunikation
Soziales Netzwerk: SFfSG + Solidaritäts Forum für Soziale Gerechtigkeit + Zukunftswerkstatt Solidarität + AKST Stuttgart + Aktions Kreis Soziale Teilhabe in Stuttgart
Kulturhaus – Conditions of Work
Galateas + Sisters für den Ausstieg aus der Prostitution e.V.
Gemeinwohl Ökonomie
Gläserne Urne / Vaihinger Manifest
Die Gesellschaft Kultur des Friedens
Freies Lastenrad Stuttgart
Denkfabrik – Forum für Menschen am Rande
Cradle2Cradle
Clean Cloth Campagne
Casa Schützenplatz
Amnesty International
Aktionsbündnis Recht auf Wohnen

 


Das 2. Forum fand am Freitag, 19. und Samstag, 20. Januar 2018 statt.
Im 2. Forum fragten wir nach anderen Ökonomien: Wir wollen wir wirtschaften? Welchen Zielen soll die Wirtschaft dienen? Was bedeutet „Wohlstand“ für uns? Was bedeutet „Arbeit“ für uns?

Freitag, 19. Januar, 19:30 Uhr: Impulsvortrag von Christoph Deutschmann (Prof. em., Uni Tübingen):
Wie wollen wir wirtschaften? Einführende Überlegungen
Über die Zukunft unseres Wirtschaftssystems wird heute mehr denn je gestritten. Aus deutscher Sicht scheint es dafür zwar auf den ersten Blick wenig Anlass zu geben: Die Wirtschaft boomt, die Arbeitslosigkeit ist niedrig und die meisten Menschen sind mit ihrer wirtschaftlichen Lage zufrieden. Aber eine solche Selbstzufriedenheit ist trügerisch, denn Probleme gibt es zuhauf: Rund 15 Prozent der Deutschen bewegen sich mit prekären Jobs und Sozialleistungen an der Armutsgrenze; Das gilt noch viel mehr für die südeuropäischen Länder, dort ist vor allem die Jugendarbeitslosigkeit erschreckend hoch. Die Ungleichheit der Einkommen und der Vermögen hat weltweit stark zugenommen, international tätige Finanzinvestoren und Kapitalgesellschaften zahlen kaum Steuern, ihr Kapital fließt kaum mehr in produktive Investitionen, sondern größtenteils in Immobilien und reine Finanzanlagen. Dass die gegenwärtige Lebens- und Wirtschaftsweise der Industrienationen mit nachhaltigem Umwelt- und Klimaschutzes nicht vereinbar sind, ist bekannt, weitgehend offen ist hingegen, wie die notwendigen Umstrukturierungen gestaltet und durchgesetzt werden können.

Ziel der Forumsdiskussion sollte es sein, die Analyse dieser Probleme und ihrer wechselseitigen Zusammenhänge zu vertiefen und politische Konzepte zu ihrer Lösung zu prüfen: Sind neue Konzepte erforderlich, z.B. ein garantiertes Grundeinkommen um die Lage der Arbeitslosen und prekär Beschäftigten zu ändern? Was kann gegen die extreme Konzentration der Vermögen politisch getan werden? Sind international koordinierte Eingriffe in private Eigentumsrechte notwendig, um die krisenträchtige Verselbständigung der Finanzmärkte zu stoppen? Brauchen wir überhaupt „Wachstum“ und wie kommt der kapitalistische Zwang zum Wachstum zustande? Liegt es nur an unseren „falschen“ Konsumgewohnheiten oder auch an institutionellen Strukturen? Setzt eine erfolgreiche klimapolitische Umsteuerung einen Verzicht auf Wachstum voraus?

Samstag, 20. Januar, 14:00 – 18:00 Workshops und Plenum
14:00 – 16:30 Uhr: Workshops (Workshopräume) / 17:00 – 18:00: Plenum (Arena)
An diesem Tag finden 3 Workshops parallel statt:

Der Workshop „Entwickeln oder Wachsen?“ von Michael Weingarten (Hannah-Arendt-Institut Stuttgart), mit Christoph Deutschmann.

Der Workshop „Der Faire Handel zwischen Nische und Alternative“ von Helge Gumpert (Bildungsreferent der Stuttgarter Weltläden) in Zusammenarbeit mit Peter Selig-Eder (Welthaus).

Der Workshop „Gemeinwohlökonomie und Gemeinwohl-Bilanz“ von Rainer Müller (Gemeinwohlökonomie) und Daniela von Pfuhlstein (ebenfalls GWÖ).

 


 

Im Rahmen der Ausstellung Was sind die Wolken? (18. Nov. 2017 – 4. März 2018) und von New Narratives 2: Ökonomien anders denken (9. – 15. April 2018).

Eine Initiative von:
Die AnStifter, Hannah-Arendt-Institut Stuttgart, in Zusammenarbeit mit dem Partnernetzwerk Kunstgebäude Stuttgart, in Kooperation mit Fritz-Erler-Forum Stuttgart.