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Vortrag: Dirk De Meyer // Film: Miranda Pennell „The Host“

Samstag, 17. Februar | 20:00

Vortrag von Dirk De Meyer: Generated stories. Operating Ana Torfs’s Story Generator

In ihrer intertextuellen Installation Story Generator entwirft die belgische Künstlerin Ana Torfs eine neue Lesart der letzten 500 Jahre belgischer Kolonial- und Wirtschaftsgeschichte. Der Story Generator enthält 505 beidseitig bedruckte Indexkarten mit einer Vielzahl von Bildern und Textausschnitten, Assoziationen und Querverweisen, die von zwei sich gegenübersitzenden Betrachter_innen gleichzeitig gelesen werden können. Torfs Anthologie ist dabei offensichtlich nicht „neutral“ – ihr Leitmotiv ist der steigende Grad an Reichtum in einer westlich geprägten Welt seit dem Beginn der Moderne mit ihren materiellen, wissenschaftlichen, künstlerischen und kulturellen Entwicklungen und Errungenschaften, die sie der brutalen Ausbeutung von Menschen und Regionen in Übersee verdankt.

In Annäherung an die assoziative Arbeitsweise von Ana Torfs blättert der belgische Architekturhistoriker Dirk De Meyer in seinem Vortrag durch die Indexkarten auf der Suche nach Verbindungslinien zur Offenlegung der komplexen Natur des Story Generators.

 

Ana Torfs: Story Generator, Installationsansicht Atelier Vlaams Bouwmeester, Brüssel, 2015
Ana Torfs: Story Generator, Installationsansicht Atelier Vlaams Bouwmeester, Brüssel, 2015, Foto: Ana Torfs

 

Dirk De Meyer ist Professor für Architekturgeschichte und Architekturdesign an der Universität Gent, Belgien. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Die Architektur des 18. Jahrhunderts und ihre Beziehung zu Kultur, Wissenschaft und Politik, insbesondere: Gianbattista Piranesi; Johann Santini Aichel, Architektur und Urbanismus im Böhmen und Mähren des frühen 18. Jahrhunderts, die Architektur-Geschichtsschreibung des 16. bis Mitte des 18. Jahrhunderts ihr Einfluss auf die Architektur des 20. Jahrhunderts, sowie ihre Beziehung zu kulturellen und politischen Feldern, inklusive dem Nationalismus.

 

Miranda Pennell, The Host, Video HD, 60’, 2015

Die Recherche für eine von ihr verloren geglaubte Geschichte macht die Filmemacherin zur Forensikerin – und sie selbst zu einem Teil dieser Erzählung, als sie hunderte Fotografien zusammenträgt. The Host [Der Gastgeber] untersucht die Aktivitäten von British Petroleum (BP) im Iran; eine Fabel von Macht, herrschaftlicher Überheblichkeit und Katastrophen. Während sich im Hintergrund die tektonischen Platten der geopolitischen Verschwörung verschieben, fordert uns der Film auf, wieder und wieder hinzusehen auf die Bilder des Ölkonzerns und auf private Fotos der britischen Angestellten im Iran – die Eltern der Regisseurin eingeschlossen; nicht wegen dem, was sie zeigen, sondern wegen dem, was sie verraten. The Host handelt von Geschichten, die wir über uns und andere erzählen, den Fakten und Fiktionen von denen wir leben – und von ihren Folgen.

Die britische Künstlerin Miranda Pennell studierte zeitgenössischen Tanz und visuelle Anthropologie. Körper und Theorie vereinen sich in ihren Filmen, die international auf Festivals und in Galerien präsentiert wurden, und lassen rituelle Phänomene gesellschaftlicher Gewohnheiten erkennbar werden. In ihren jüngsten Arbeiten gilt Pennells Interesse dem Nachwirken der britischen Kolonialzeit und sie taucht als Forscherin in die Archive der eigenen Familie und der offiziellen Geschichtsschreibung ein.
In Why Colonel Bunny Was Killed (2010) sezierte die britische Selbstdarstellung im afghanischen Grenzgebiet an der Wende zum 20. Jahrhundert. The Host (2015) ist Pennells erster Langfilm und wurde beim International Documentary Film Festival of Navarra 2017 als bester Film ausgezeichnet.

 

In englischer Sprache. Eintritt frei.

 

Details

Datum:
Samstag, 17. Februar
Zeit:
20:00

Veranstaltungsort

Arena in Was sind die Wolken?